Kirche Geld
0 Comments

 

 

Kirche und Kapital ist eine Kombination die stets kritisch hinterfragt werden sollte. Wie soll Kirche mit Geld umgehen oder am Kapitalmarkt mitwirken? Sollte Kirche überhaupt so am Kapitalismus partizipieren? Eine Standortbestimmung, veranlasst durch das Symposion „Kirche im Kapitalismus“ vom 17./18. Mai 2019 in Graz.

Die Kirche ist als global agierende und auch

infrastrukturell geforderte Organisation mit der Notwendigkeit konfrontiert finanzielle Mittel zu akquirieren, zu distribuieren und schließlich auch zu investieren. Gerade in diesem Tun und den damit verbundenen werterhaltenden Gedanken, die verständlicherweise zumeist auch gewinnorientiert sind, ist Kirche der unmittelbaren Gefahr ausgesetzt, ihre eigentliche Sendung mitunter hinter die monetäre Sicherheit, oder gar den monetären Profit, anzustellen. Intuitiv einleuchtend ist, dass Kirche nicht Unternehmen sein soll, und dies auch laut ihres eigenen Selbstverständnisses nicht sein darf, sondern sich über ihren Dienst definieren soll. Wollte man Unternehmertum und Dienst zusammendenken, bietet sich das Bild des Dienstleisters an. Dieses würde den (auch dezidiert kapitalistischen) Umgang mit Geld scheinbar mit dem Anspruch, den Menschen zu dienen, harmonisieren. Die Einwände, die sich gegen ein solches Bild unmittelbar aufdrängen, sind gleich zweifach schwerwiegend: Man würde damit nicht nur Kirche zum Handelspartner reduzieren, sondern auch Sakrament zur Ware pervertieren.

Marktdenken liegt in der Funktionsweise von Diskurs

In einer merkantilistisch geprägten Gesellschaft drängt sich scheinbar das Verlangen auf, die Prinzipien des Marktes – Angebot und Nachfrage, Wert und Gegenwert – auf die politische, soziale und sogar die religiös-spirituelle Ebene des Seins anzuwenden. Die Anbiederung der Politik an marktwirtschaftliche Prinzipien beispielsweise liegt unter anderem in der Funktionsweise von politischem Diskurs und der Definition von politischem Erfolg begründet: Erfolgreich ist, wer seine Agenden, auch gegen Widerstand, durchzusetzen vermag. Zu diesem Zwecke ist es dienlicher, ein Tauschgeschäft, den klassischen Kuhhandel, einzugehen, bei dem ja ein wechselseitiger Gewinn (einmal für einen selbst, dann für den Handelspartner) entsteht, als einen Kompromiss zu finden, der beide Seiten zu Verlierern macht. Auf zwischenmenschlich-sozialer Ebene hat man längst begonnen, einen Beziehungsmarkt zu erschließen, an dem man sich selbst unter Anpreisung seiner Qualitäten neben andere stellt und selbst auch nach eigenen Präferenzen gustiert und schließlich „einkauft“. Partneragenturen und Dating-Sites leben von diesem Prinzip der Selbstvermarktung, das in nur zwei Generationen die Entstehung von Beziehungen und sozialen Kontakten maßgeblich verändert, ja ins Absurde verkehrt hat. Schließlich bleibt die Religion, und gerade in ihr die Frage, wie viel Markt und Wirtschaftlichkeit der Kirche als Vertreterin einer Religion zuzubilligen ist – oder besser – zuzumuten ist. Wo auch immer Kirche nur in den Verdacht gerät, ihre Lehre, ihr Evangelium und ihre Sakramente zu Handelswaren verkommen zu lassen, müsste schon allein aus Liebe zu dieser Kirche und ihrer Botschaft Widerstand gegen die verdächtigen Handlungsweisen erwachsen. Dieser Widerstand darf dabei aber nicht auf das Volk, oder wohlmeinende Theologen, beschränkt sein. Vielmehr ergeht die Pflicht zum Widerstand gegen die „Verwirtschaftung“ der Kirche aus dem Evangelium Christi und damit an alle, die im Lichte dessen ihr Leben gestalten. In besonderer Weise jedoch kommt diese immanent-implizite Verpflichtung des Evangeliums den Priestern und Amtsträgern der Kirche zu.

Um tätig zu bleiben, bedarf es eines Geldbeutels

Ist also jede wirtschaftsorientierte Entscheidung der Kirche per se abzulehnen und im Widerspruch mit dem Ideal der Kirche der Armen zu sehen? Jesus selbst hatte doch schließlich keinen Geldbeutel. So anziehend und erfrischend dieser Gedanke auch scheinen mag, so realitätsfern ist er auch. Die Kirche muss, um tätig bleiben zu können, monetäre Agitationen betreiben. Trotzdem sollte sich die Kirche wohl wieder auf ihre Wurzeln besinnen. Denn auch wenn Jesus keinen Geldbeutel hatte, so verwalteten doch die Jünger eine Gemeinschaftskasse. Aber sie suchten niemals Reichtum, denn „selig, die Armen vor Gott, ihnen ist das Himmelreich.“

Author

eule@turmderwinde.eu

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.