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	<title>Orden / Franciscania Archives - Turm der Winde</title>
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	<title>Orden / Franciscania Archives - Turm der Winde</title>
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		<title>Vor dem Konklave: Wer Papst ist</title>
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		<pubDate>Mon, 05 May 2025 17:33:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Foto: unsplash / coronel</p>
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<p>Alles redet darüber, wer auf Papst Franziskus folgt und damit 267. Bischof von Rom werden wird. Es ist wie bei der Vorrunde einer Fußball-WM: Jeder hat so seine Tagträume. Klar ist nur eines: Wer auch immer Papst ist, dem werden wir folgen. Wollte schon Franz von Assisi so haben.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots"/>



<p>Man muss Verständnis haben: Journalisten, Theologen, Beobachter, Analysten oder auch A-, B- und C-Promis haben alle eine Meinung darüber, wie die Wahl zum neuen Papst der Lateinischen Kirche ausgehen wird. Es ist das Mediengeschäft. Man kann nicht einfach nur ignorieren, was auf jedem Dorfplatz und an allen Ausschanktresen Gesprächsthema ist. Das führt dazu, dass Spekulationen Hochkonjunktur haben: Man muss sagen, welche Namen im Gespräch sind ohne jene zu nennen, die über diese Namen sprechen. Man will schreiben, wer denn welche Art von Pontifex sein könnte, insofern die eigenen Leser etwas zum mit-reden bekommen. Mitreden: Das ist das Schlüsselwort, mit dem die Menschen das Gefühl bekommen, an jenem Prozess Anteil zu haben, der den Kurs der Kirche bestimmen wird. Wer sich in vermeintlicher Noblesse zurück hält, der vermittelt auch Abgehobenheit. Anteil nehmen bedeutet Interesse zu bekunden. Per se ist das weder schlecht noch gut. Ähnliches geschieht in allen Bereichen des öffentlichen Lebens: in der Politik, beim Sport, zu Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. </p>



<p>Nur ist jeder gut beraten, das &#8222;Mitfiebern&#8220; nicht über Gebühr ernst zu nehmen. Ein guter Teil der Missverständnisse in den Pontifikaten von Benedikt XVI. und dann von Franziskus wurzelte darin, dass vorab Erwartungen formuliert und Prognosen definiert wurden, die eher der Vorstellungskraft der jeweiligen Autoren entsprungen waren. Ein mündiger Mensch mit gesundem Interesse an globalen Ereignissen wie der Papstwahl entzieht sich nicht a priori dem Gerede. Ein mündiger Mensch mit gesundem Interesse weiß aber von der Begrenztheit des eigenen Mitfieberns. Er nimmt seinen eigenen Standpunkt nicht über die Maßen ernst. </p>



<p class="has-text-align-center">&#8222;Regel und Leben der Minderen Brüder ist dieses, nämlich unseres Herrn Jesu Christi heiliges Evangelium zu beobachten durch ein Leben in Gehorsam, ohne Eigentum und in Keuschheit.<br>Bruder Franziskus verspricht <strong>Gehorsam und Ehrerbietung dem Herrn Papst Honorius und seinen rechtmäßigen Nachfolgern</strong> sowie der Römischen Kirche.<br>Und die anderen Brüder sollen verpflichtet sein, dem Bruder Franziskus und dessen Nachfolgern zu gehorchen.&#8220; (bR 1)</p>



<p class="has-text-align-left">Der seraphische Vater Franziskus, Ordensgründer und bis heute &#8222;Role Model&#8220; aller franziskanisch orientierten Brüder und Schwestern, hat das Problem intuitiv erfasst: Eine der Herausforderungen bei der Nachfolge Christi ist die Gemeinschaft mit den anderen Gläubigen. Ein Christ geht nicht allein durchs Leben. Es ist die Kirche, die ihn an den Herrn bindet. Für Franz von Assisi (1181-1226) war immer klar, dass er sich und seine Ordensgemeinschaft an die Kirche bindet. Das kommt nicht nur im ersten Absatz der Ordensregel zum Ausdruck, sondern zeigt sich auch bei zahlreichen anderen Begebenheit, in denen bei den kirchlichen Amtsträgern um Rat oder Indikation fragt. Die Einheit der kirchlichen Gemeinschaft verwirklichte sich für Franz von Assisi im Amt der Nachfolger Petri. Es ist zwar &#8211; heute mehr denn je &#8211; durchaus legitim, anderer Meinung zu sein als die Kirchenleitung. Bisweilen scheint ein Einwand auch geboten, aber wer sich grundsätzlich gegen einen römischen Pontifex stellt, der kann sich dabei nur schwer auf den großen Heiligen aus Assisi berufen.  </p>



<p class="has-text-align-left">Und das gilt auch noch nach 800 Jahren: Jeder Christ kann und soll sich Gedanken machen, wie und mit wem es weiter geht. Aber wer auch immer am Ende von der Benediktionsloggia am Petersplatz winkt, dem gilt dann &#8222;Treue und Ehrerbietung&#8220; (bR 1).   </p>



<p>mtz </p>
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		<title>Zwei Zeugen der Hoffnung: Kapistran Pieller ofm &#038; Angelus Steinwender ofm</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Apr 2025 12:11:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Am 15. April 2025 jährt sich zum 80. Mal der Todestag von Kapistran Pieller und Angelus Steinwender. Die beiden Franziskaner wurden von Nationalsozialisten erschossen.</p>
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<p>Kommende Woche jährt sich zum 80. Mal die Ermordung der zwei Franziskaner Kapistran Pieller ofm und Angelus Steinwender ofm. Mit über 40 anderen Gefangenen wurden die beiden Priester am 15. April 1945 in Stein an der Donau von Nationalsozialisten erschossen.  </p>



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<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img data-recalc-dims="1" fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="853" src="https://i0.wp.com/turmderwinde.eu/wp-content/uploads/2025/04/Pieller-Steinwender-OFM-Graz-3.jpg?resize=640%2C853&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-1118" style="width:500px" srcset="https://i0.wp.com/turmderwinde.eu/wp-content/uploads/2025/04/Pieller-Steinwender-OFM-Graz-3-scaled.jpg?resize=768%2C1024&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/turmderwinde.eu/wp-content/uploads/2025/04/Pieller-Steinwender-OFM-Graz-3-scaled.jpg?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w, https://i0.wp.com/turmderwinde.eu/wp-content/uploads/2025/04/Pieller-Steinwender-OFM-Graz-3-scaled.jpg?resize=1152%2C1536&amp;ssl=1 1152w, https://i0.wp.com/turmderwinde.eu/wp-content/uploads/2025/04/Pieller-Steinwender-OFM-Graz-3-scaled.jpg?w=1920&amp;ssl=1 1920w, https://i0.wp.com/turmderwinde.eu/wp-content/uploads/2025/04/Pieller-Steinwender-OFM-Graz-3-scaled.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></figure></div>


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<p>Die Erzdiözese Wien verweist auf das Schicksal der beiden Franziskaner und erinnert an sie als &#8222;<em><a href="https://www.erzdioezese-wien.at/unit/offenekirche/hoffnungspilgern/hoffnungszeugen/kapistranpieller">hoffnungszeugen</a></em>&#8222;. In der Franziskanerkirche Graz, einer der Wirkungsstätten von Kapistran Pieller, werden Mitbrüder, Gläubige und die Katholisch Österreichische Hochschulverbindung Carolina Graz am Dienstag, 15. April 2025 (16 Uhr) einen Gottesdienst für die beiden Opfer des nationalsozialistischen Terrors feiern. Im Anschluss an den Gottesdienst wird ihrer an der Gedenktafel (Siehe Bild) an der Franziskanergruft gedacht werden.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">P. DDDr. Kapistran Pieller ofm (1891-1945)</h2>



<p>Kapistran Pieller wurde am 30. September 1891 in Wien geboren und zunächst auf den Namen Wilhelm getauft. 1914 trat er in den Franziskanerorden ein und nahm den Ordensnamen Johannes Kapistran an. Am Franziskanergymnasium Hall holte er die Matura nach und studierte ab 1914 in Graz und Wien. 1918 wurde er zum Priester geweiht. Pieller promovierte 1927 in Staatswissenschaften und 1929 in Rechtswissenschaften an der Universität Graz. Sein Theologiestudium ergänzte er 1937 mit einer Promotion in Wien. Als Seelsorger wirkte er unter anderem in St. Pölten und Graz und betreute die katholische Hochschulverbindung Carolina Graz.</p>



<p>Nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im Jahr 1938 engagierte sich Pieller in der Antifaschistischen Freiheitsbewegung Österreichs (AFÖ) und unterstützte den Widerstand gegen das nationalsozialistische Terror-Regime. Für die AFÖ verfasste und vervielfältigte er Flugblätter. Im August 1943 verhaftete ihn die GeStaPo in Eisenstadt. Der Volksgerichtshof in Wien verurteilte ihn im August 1944 zum Tode. Pieller blieb mehrere Monat in Wien in Haft. Kurz vor der Einrückung der Roten Armee überstellte die GeStaPo am 5. April über 40 Gefangene nach Stein an der Donau, wo sie am 15. April 1945 erschossen und in einem Massengrab vergraben wurden. Wenige Tage zuvor war es im Zuchthaus Stein zum berüchtigten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_im_Zuchthaus_Stein">Massaker</a> mit mehreren Toten gekommen.  </p>



<h2 class="wp-block-heading">A.R.P. Angelus Steinwender ofm (1895-1945)</h2>



<p>Angelus Steinwender ofm wurde 1895 in Maria Lankowitz (Bezirk Voitsberg) geboren und zunächst auf den Namen Eduard getauft. 1913 trat er in den Franziskanerorden ein und nahm den Ordensnamen Angelus an. 1920 wurde er in Wien zum Priester geweiht. Ab 1939 leitet er als Provinzialminister die Wiener Franziskanerprovinz zum hl. Bernhardin von Siena. Steinwender galt als Unterstützer des ermordeten Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß und kritisierte offen die nationalsozialistische Machtübernahme in Österreich. </p>



<p>Im Juli 1943 wurde Steinwender in Wien von der GeStapo verhaftet. Die Anklage warf ihm Unterstützung der AFÖ vor. Trotz geringer Beweislage wurde er zusammen mit Pieller und anderen Mitgliedern der AFÖ im August 1944 zum Tod verurteilt und am 15. April 1945 &#8211; nur wenige Tage vor dem deutschen Zusammenbruch am 8. Mai &#8211; in Stein an der Donau erschossen. </p>



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<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
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		<title>DOKU: Kreuz und Gebet von San Damiano</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Feb 2025 15:35:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das sogenannte San-Damiano-Kreuz steht wie kaum ein anderes Symbol für Franz von Assisi (1181-1226) und seine Bewegung. Der Überlieferung nach soll von Franziskus an der verfallenen Kirche vor dem Kreuz gebetet und von dorther eine Stimme vernommen haben, die ihm</p>
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<p>Das sogenannte San-Damiano-Kreuz steht wie kaum ein anderes Symbol für Franz von Assisi (1181-1226) und seine Bewegung. </p>



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<p>Der Überlieferung nach soll von Franziskus an der verfallenen Kirche vor dem Kreuz gebetet und von dorther eine Stimme vernommen haben, die ihm zurief: &#8222;<em>Geh, Franziskus, und baue mein Haus wieder auf, das – wie du siehst – in Trümmer fällt!</em>&#8220; (Gef 13; 2Cel 10). Die Kreuzikone, die heute millionenfach reproduziert wird, ist etwa 2 Meter hoch, stammt aus dem beginnenden 12. Jahrhundert und byzantinischen Stil gefertigt, der damals vermutlich durch serbische Mönche auch in Italien Verbreitung gefunden hat. Der Künstler ist unbekannt, dürfte sich aber unterhalb des linken Armes Christi selbst dargestellt haben. Das originale San-Damiano-Kreuz ist mit der Übersiedlung der Klarissen in das Stadtkloster Santa Chiara gebracht worden, wo es in der sogenannten Kreuzkapelle zu sehen ist. In San Damiano befindet sich eine Kopie. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" width="640" height="935" src="https://i0.wp.com/turmderwinde.eu/wp-content/uploads/2025/02/13th-century_unknown_painters_-_Crucifix_of_San_Damiano_-_WGA23868.jpg?resize=640%2C935&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-1107" style="width:400px" srcset="https://i0.wp.com/turmderwinde.eu/wp-content/uploads/2025/02/13th-century_unknown_painters_-_Crucifix_of_San_Damiano_-_WGA23868.jpg?resize=701%2C1024&amp;ssl=1 701w, https://i0.wp.com/turmderwinde.eu/wp-content/uploads/2025/02/13th-century_unknown_painters_-_Crucifix_of_San_Damiano_-_WGA23868.jpg?resize=205%2C300&amp;ssl=1 205w, https://i0.wp.com/turmderwinde.eu/wp-content/uploads/2025/02/13th-century_unknown_painters_-_Crucifix_of_San_Damiano_-_WGA23868.jpg?resize=768%2C1121&amp;ssl=1 768w, https://i0.wp.com/turmderwinde.eu/wp-content/uploads/2025/02/13th-century_unknown_painters_-_Crucifix_of_San_Damiano_-_WGA23868.jpg?w=900&amp;ssl=1 900w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption class="wp-element-caption">San-Damiano-Kreuz, Via Wikimedia Commons</figcaption></figure></div>


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<p>Der Gekreuzigte ist als Christus triumphans dargestellt, der den Tod bereits besiegt zu haben scheint. Darauf weist auch die Aureola hin. Unter dem Kreuz stehen Maria, die Mutter Jesu und der Apostel Johannes (rechts des Gekreuzigten) sowie Maria von Magdala, die Frau des Klopas und jener römische Hauptmann, der in Mk 15,39 die Gottessohnschaft bezeugt (links). Kleiner dargestellt sind jener Soldat, der dem Sterbenden Essig gereicht hatte (rechts) und Longinus, der Soldat, der mit seiner Lanze Jesus das  Herz durchbohrt hat. Der obere Teil der Kreuzikone zeigt den Auferstandenen, wie er sich der Hand Gottes nähert. Mehr dazu:  <em>Bollati, Milvia: Francesco e la croce di S. Damiano, Biblioteca Francescana, Mailand 2016</em>.</p>



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<p>Mit der Kreuz-Ikone von San Damiano untrennbar verbunden ist ein Gebet des heiligen Franziskus, das aus der Zeit seiner Bekehrung stammt. Das Gebet hat einige Anklänge an Psalmen (z.B. Ps 118,34) und erwähnt wie Paulus (vgl. 1 Kor 13,13; 1 Thess 1,3) die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe. Es ist eine Bitte um Offenheit sowohl für den Heilsplan Gottes als auch für die Not des Nächsten. Die deutsche Fassung unten folgt der grundlegenden Quellen-Edition von <em>Berg, Dieter (Hg.) / Lehmann, Leonhard (Hg.): Franziskus-Quellen. Die Schriften des heiligen Franziskus, Lebensbeschreibungen, Chroniken und Zeugnisse über ihn und seinen Orden, Butzon und Bercker 2009</em>. </p>



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<p class="has-text-align-center"><strong>Höchster, glorreicher Gott,<br>erleuchte die Finsternis meines Herzens<br>und schenke mir rechten Glauben, sichere Hoffnung und vollkommene Liebe.<br>Gib mir, Herr, [das rechte] Empfinden und Erkennen,<br>damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle.</strong></p>
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		<title>DOKU: Sonnengesang des Franziskus</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Jan 2025 14:55:10 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Der &#8222;Sonnengesang&#8220; des seraphischen Franziskus wird 800 Jahre alt. Es ist eines der ältesten schriftlichen Zeugnisse der italienischen Sprache und gleichzeitig einer der meist verarbeiteten Texte der Weltliteratur. Die deutsche Fassung. Der &#8222;Cantico delle Creature&#8220; ist das bekannteste Lied oder</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Der &#8222;Sonnengesang&#8220; des seraphischen Franziskus wird 800 Jahre alt. Es ist eines der ältesten schriftlichen Zeugnisse der italienischen Sprache und gleichzeitig einer der meist verarbeiteten Texte der Weltliteratur. Die deutsche Fassung. </p>



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<p>Der &#8222;Cantico delle Creature&#8220; ist das bekannteste Lied oder Gebet, das von Franz von Assisi (1181-1226) selbst stammt. Der Ordensgründer soll es 1225 verfasst haben, als er selbst in San Damiano krank im Bett lag. Der jubelnde Hymnus stellt eine Antwort auf die Erfahrung von Schmerz und Schwäche dar. Einigen Biographen zufolge fügte Franziskus die Friedensstrophe später hinzu, um einen Streit zwischen dem Bischof und dem Bürgermeister von Assisi zu schlichten. Eine später erfolgte Erweiterung ist auch die Strophe über „Schwester Tod“, die er verfasst haben soll, als er selber ein Jahr später dem Sterben nahe war (Per 7; SP 123). Das Gebet ist nicht nur eine Hymne auf Gottes gute Schöpfung, sondern fordert eine positive Hinwendung zur Welt und eine Annahme von Krankheit und Tod. Die deutsche Fassung unten folgt der grundlegenden Quellen-Edition <em>Berg, Dieter / Lehmann, Leonhard: Franziskus-Quellen. Die Schriften des heiligen Franziskus, Lebensbeschreibungen, Chroniken und Zeugnisse über ihn und seinen Orden, Butzon &amp; Bercker 2009</em>.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img data-recalc-dims="1" decoding="async" src="https://i0.wp.com/turmderwinde.eu/wp-content/uploads/2025/04/Assisi-San-Damiano.jpg?w=640&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-1098" style="aspect-ratio:16/9;object-fit:cover;width:800px"/></figure>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-dots"/>



<p class="has-text-align-center"><sup>1</sup>Höchster, allmächtiger, guter Herr,</p>



<p class="has-text-align-center">dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.</p>



<p class="has-text-align-center">Dir allein, Höchster, gebühren sie,</p>



<p class="has-text-align-center">und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.</p>



<p class="has-text-align-center"><sup>2</sup>Gelobt seist du, mein Herr,</p>



<p class="has-text-align-center">mit allen deinen Geschöpfen,</p>



<p class="has-text-align-center">zumal dem Herrn Bruder Sonne,</p>



<p class="has-text-align-center">welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest.</p>



<p class="has-text-align-center">Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz:</p>



<p class="has-text-align-center">Von dir, Höchster, ein Sinnbild.</p>



<p class="has-text-align-center"><sup>3</sup>Gelobt seist du, mein Herr,</p>



<p class="has-text-align-center">durch Schwester Mond und die Sterne;</p>



<p class="has-text-align-center">am Himmel hast du sie gebildet,</p>



<p class="has-text-align-center">klar und kostbar und schön.</p>



<p class="has-text-align-center"><sup>4</sup>Gelobt seist du, mein Herr,</p>



<p class="has-text-align-center">durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken</p>



<p class="has-text-align-center">und heiteres und jegliches Wetter,</p>



<p class="has-text-align-center">durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.</p>



<p class="has-text-align-center"><sup>5</sup>Gelobt seist du, mein Herr,</p>



<p class="has-text-align-center">durch Schwester Wasser,</p>



<p class="has-text-align-center">gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.</p>



<p class="has-text-align-center"><sup>6</sup>Gelobt seist du, mein Herr,</p>



<p class="has-text-align-center">durch Bruder Feuer,</p>



<p class="has-text-align-center">durch das du die Nacht erleuchtest;</p>



<p class="has-text-align-center">und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark.</p>



<p class="has-text-align-center"><sup>7</sup>Gelobt seist du, mein Herr,</p>



<p class="has-text-align-center">durch unsere Schwester, Mutter Erde,</p>



<p class="has-text-align-center">die uns erhält und lenkt</p>



<p class="has-text-align-center">und vielfältige Früchte hervorbringt</p>



<p class="has-text-align-center">und bunte Blumen und Kräuter.</p>



<p class="has-text-align-center"><sup>8</sup>Gelobt seist du, mein Herr,</p>



<p class="has-text-align-center">durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen</p>



<p class="has-text-align-center">und Krankheit ertragen und Drangsal.</p>



<p class="has-text-align-center">Selig jene, die solches ertragen in Frieden,</p>



<p class="has-text-align-center">denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.</p>



<p class="has-text-align-center"><sup>9</sup>Gelobt seist du, mein Herr,</p>



<p class="has-text-align-center">durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;</p>



<p class="has-text-align-center">ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.</p>



<p class="has-text-align-center">Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.</p>



<p class="has-text-align-center">Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen,</p>



<p class="has-text-align-center">denn der zweite Tod6Þ wird ihnen kein Leid antun.</p>



<p class="has-text-align-center"><sup>10</sup>Lobt und preist meinen Herrn</p>



<p class="has-text-align-center">und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.</p>
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		<title>Das Wunder ist der Auftrag</title>
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		<pubDate>Wed, 12 May 2021 06:17:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Orden / Franciscania]]></category>
		<category><![CDATA[Friede]]></category>
		<category><![CDATA[Kapuziner]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Moritz Windegger]]></category>
		<category><![CDATA[Padua]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mitten in den Kriegswirren starb im Sommer 1942 im norditalienischen Padua der Kapuziner Leopold Mandic. Schon zu Lebzeiten galt er als Heiliger. der 12. Mai ist traditionell sein Gedenktag. Im fernen Jahr 1866 in Montenegro als Kind kroatischer Eltern geboren</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mitten in den Kriegswirren starb im Sommer 1942 im norditalienischen Padua der Kapuziner Leopold Mandic. Schon zu Lebzeiten galt er als Heiliger. der 12. Mai ist traditionell sein Gedenktag.</p>
<p>Im fernen Jahr 1866 in Montenegro als Kind kroatischer Eltern geboren war er früh in den Kapuzinerorden eingetreten und wurde in Venedig zum Priester geweiht. Die Hauptaufgabe Leopolds war das Hören der Beichte. Oft saß er fünfzehn Stunden täglich im Beichtstuhl, wo ihn Menschen aus allen Schichten aufsuchten. In Padua – das ist heute noch im <a href="http://www.leopoldomandic.it/">dortigen Kapuzinerkloster</a> sehen – war sein Beichtstuhl quasi auch der Ort, in dem er lebte. 30 Jahre lang. Augenzeugen berichten davon, wie der große Marienverehrer eine wundersame Gebetskraft entwickelte, offenbar die Gabe hatte, in die Herzen der Menschen zu blicken und seinen Beichtkindern gleichermaßen prophetisch wie milde erschien. Davon berichtet übrigens auch Albino Luciani, der spätere Papst Johannes Paul I. Das eigentliche Wunder, das Leopold Mandic erwirkte, war aber, dass die Tausenden von Menschen in diesem Beichtstuhl offensichtlich die Kraft fanden, sich wieder Gott hinzuwenden. In diesem Sinn ist der kleinwüchsige Kapuziner ein großer Verkünder geworden, der den Menschen den ihnen nicht oder nicht mehr bekannten Gott verkündet hat, wie es Paulus auch in Athen versucht. Die Athener – so erzählt die Apostelgeschichte (Tageslesung: Apg. 17,15.22 &#8211; 18,1) – sind weniger zugänglich als die Zeitgenossen von Leopold Mandic. Aber der Auftrag ist durch die Jahrtausende bis heute derselbe geblieben: &#8222;<em>Gott, der über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, lässt jetzt den Menschen verkünden, dass überall alle umkehren sollen</em>&#8220; (Apg 17,30).</p>
<p>Hl. Leopold Mandic, bitte für uns.</p>
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		<title>Vernunft und mehr II &#8211; Konrad und Anselm</title>
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		<pubDate>Mon, 04 May 2020 19:10:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Orden / Franciscania]]></category>
		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Heilige]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zwei, die hinsichtlich Jahrhundert und je eigener Lebensgestaltung nicht weiter voneinander entfernt sein könnten, finden zueinander. Kalenderbedingt. Der franziskanische Eigenkalender legt für den 21. April den Gedenktag des heiligen Kapuzinerbruders, Konrad von Parzham (1818-1894), fest. Der Bauernsohn aus der Nähe</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei, die hinsichtlich Jahrhundert und je eigener Lebensgestaltung nicht weiter voneinander entfernt sein könnten, finden zueinander. Kalenderbedingt. Der franziskanische Eigenkalender legt für den 21. April den Gedenktag des heiligen Kapuzinerbruders, Konrad von Parzham (1818-1894), fest. Der Bauernsohn aus der Nähe von Passau war über 40 Jahre lang umtriebiger Pförtner des Kapuzinerklosters in Altötting. Wegen seines Gebetseifers und der aufopfernden Dienstbereitschaft für Arme und Wallfahrer verehrten ihn bereits seine Zeitgenossen als heiligmäßigen Mann, zu dem jeder mit seinen kleineren und größeren Anliegen kommen konnte. Ein Volksheiliger par excellence: Vom Typ ganz anders als der mittelalterliche<a href="https://turmderwinde.eu/?p=279"> Benediktiner-Theologe Anselm von Canterbury</a> (1033-1109).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Ordnung im Stundengebet legt nahe, sich für einen der beiden zu entscheiden, d.h. für Franziskaner gibt es eigentlich keine Wahlfreiheit: Der Gedenktag des berühmten Kapuziners ist im seraphischen Eigenkalender<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> ein vorgeschriebener. Für Anselm bleibt da allenfalls Zeit für eine erinnernde &#8222;Erwähnung&#8220;, für eine „commemoratio“<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>. Wer in der Lesehore die jeweiligen hagiographischen Lesungen der beiden Gedenktage nebeneinander legt und vergleicht, der stellt eine erstaunliche Ähnlichkeit fest. Konrad und Anselm mögen in unterschiedlichen Jahrhunderten völlig unterschiedliche Menschen gewesen sein, inhaltlich finden sie im Evangelium zu denselben Schwerpunkten. Im Prinzip lebt Konrad, was Anselm beschreibt. Oder anders formuliert: Im Grunde hatte der Bischof von Canterbury schon erfahren, was der Pförtner von Altötting dann auch erzählt. Es ist übrigens eher auszuschließen, dass der Kapuzinerbruder den fast 800 Jahre älteren Benediktiner-Bischof selbst gelesen hat, und eventuell abgekupfert hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Anselm-Lesung bietet einen Text, der aus Ausschnitten unterschiedlicher Kapitel des Proslogion besteht. In diesem Werk führte Anselm im 11. Jahrhundert seinen „Ontologischen Gottesbeweis“, jene vielfach zitierte Argumentation, mit der die Existenz Gottes auch Nichtchristen gegenüber bewiesen werden sollte. Die Abschnitte stammen aus dem XIV. (Entdeckung des unerreichbaren Lichtes), dem XVI. (Anerkennung des unerreichbaren Lichtes) und dem XXVI. (Gebet, um in die vollkommene Freude Gottes zu gelangen) Kapitel. Der Argumentationsstil entspricht der Sprache der Scholastiker: ein bisweilen trockenes Unterscheiden von Begriffen. „Clare et distincte“ (Klar und unterschieden) nannte Descartes diese Art der Wissenschaftlichkeit. Canterburys Grundaussage: Der Philosoph (Anselm schreibt in der Ich-Form) möchte Gott erkennen, ihn lieben und sich an ihm erfreuen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Anders stellt sich der Konrad-Text dar: Es ist ein Brief, in dem der Kapuziner-Bruder von seiner Berufung erzählt. Im Rückgriff auf eine betont einfache Erläuterung, bei der sich Konrad auch nicht scheut, kindlich zu erscheinen, streicht der Ordensmann hervor, dass er nun glücklich und zufrieden ist. Als Leser soll man den Eindruck haben: Da ist ein Mensch, der seine Bestimmung gefunden hat. Und zwar indem er auf den zuerst von Gott ausgegangenen Ruf geantwortet hat.</p>
<p>Beiden Texten gemeinsam ist zunächst, dass die zwei Autoren von ihrer Suche erzählen. Konrad beschreibt ein &#8222;Staunen&#8220;, aber auch die Klagen und Bitten, die er an Gott richtet. Seine eigenen und die jener anderer Menschen. Weiß er weder ein noch aus, richtet er die Frage an seinen Herrn: Das Kreuz Christi ist sein „Buch. Nur ein Blick auf ein Kreuz lehrt mich in jeder Gelegenheit, wie ich mich zu verhalten habe.“ Anselm formuliert in Kategorien der Philosophie: Im Proslogion ist die „verlangende Seele“ jene Triebfeder, die Gott sucht, die ihn erkennen will. Gott selbst ist die alles übersteigende und auch vom menschlichen Auge nicht wahrnehmbare Wirklichkeit. Allerdings ist Gott eine Wahrheit, von der Anselm erwartet, dass sie ihn selig macht. Eine Wahrheit, die stets „fern von mir [ist], obwohl ich doch so nahe bei Dir bin.“ Beide beschreiben sich als Geschöpfe, die auf dem Weg sind. Beide beschreiben Bewegung, nicht eine statische „Visio beatifica“.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2><strong>Die Unzulänglichkeit des Menschen</strong></h2>
<p>Beiden Heiligen gemein ist die grundsätzliche Überzeugung der eigenen Unzulänglichkeit. Anselm umschreibt das als grundsätzliche Unfähigkeit: Er kann Gott nicht sehen, weil dieser zu hell und das eigene Auge zu krank ist. Seine Vernunft ist ohnmächtig, weil sie Gott nicht erfassen kann. Und sein Leben wird bestenfalls ausreichen, um am Ende die Freude an Gott nur fast zu erreichen. Und das auch nur, wenn er täglich auf dem eingeschlagenen Weg fortschreitet. Konrad muss das, was wir heute &#8222;Kontingenz des Menschen&#8220; nennen, also die eigene Unzulänglichkeit, nicht eigens formulieren. Der Kapuzinerbruder weiß von der eigenen Beschränktheit. Er führt aber aus, wie er damit umgeht: Demut, Sanftmut und Geduld. Was auf den ersten Blick wie ein Versatzstück aus franziskanischen Handbüchern klingt, ist in Wirklichkeit ein hartes Stück Arbeit an sich selbst: Zwischen quengelnden Besuchern und nicht immer zustimmenden Mitbrüdern ist Geduld das, was einem meistens dann fehlt, wenn man es am meisten brauchen würde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In beeindruckender Übereinstimmung formulieren beide Heilige dasselbe Ziel: die Liebe. &#8222;Ich bin bemüht, ihn recht zu lieben&#8220;, schreibt Konrad in dem Brief. Gemeint ist Gott. Ein &#8222;Seraph in der Liebe&#8220; möchte er sein, am liebsten hätte er, wenn alle Geschöpfe ihm dabei helfen würden. Das ist sein eigentliches Ziel im Leben, denn die Liebe zu Gott &#8211; darin ist sich Konrad ziemlich sicher &#8211; macht ihn glücklich. Fast identisch hatte das Anselm formuliert. Im XVI. Kapitel des Proslogion: &#8222;Mein Gott, ich bete: ich möchte dich erkennen, dich lieben und an Dir mich freuen&#8220;. Beten heißt also Gott lieben. Und das bringt Freude. Eine existentielle Freude. Ein Vollendet-, ein Angekommen sein. Nur wenn seine Liebe zu Gott im irdischen Dasein ständig zunimmt, werden das Erkennen und die Freude im Jenseits vollkommen sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2><strong>Fazit: Zwei Arten, ein Glaube</strong></h2>
<p>Fazit: Bisweilen ist heute noch zu lesen, dass sich spekulative oder akademische Theologie und gefestigte Volksfrömmigkeit einander ausschließen. Es gibt Theologen, denen sind die meisten Arten von Frömmigkeit verdächtig. &#8222;Frömmeln&#8220; ist fast immer pejorativ gemeint. Umgekehrt misstrauen Gläubige den Absichten der akademischen Theologie. Zu wenig Glaube wird den Theologen unterstellt. Manchmal sogar eine Art Verrat an der Frohen Botschaft. Allein schon die Ordensgeschichte der Franziskaner ist von Beginn an von solchen Spannungen gezeichnet. Franz von Assisi hat das vorausgesehen und gespürt. Als er seraphische Ordensgründer seinem Mitbruder, dem [heiligen] Antonius von Padua, anträgt, die Brüder in Theologie auszubilden, will er vorab schon diesen Gegensatz entschärfen. &#8222;Es gefällt mir, dass du den Brüdern die heilige Theologie vorträgst, wenn du nur nicht durch dieses Studium den Geist des Gebetes und der Hingabe auslöschst, wie es in der Regel steht&#8220;, schreibt Franziskus an Antonius. Er will nicht, dass die Brüder aus Unbildung eine Tugend machen. Gleichwohl fordert er, dass man Theologie nicht um ihrer selbst willen studiert.</p>
<p>Dass dies möglich ist, und dass im Grunde die eine wie andere Seite dasselbe denken und leben können, es nur anders ausdrücken, das sieht man an dem Duo Anselm von Canterbury und Konrad von Parzham. Die sich nicht nur den Gedenktag, sondern augenscheinlich auch dieselbe Botschaft teilen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Das Adjektiv „seraphisch“ gilt dem Ordensgründer Franz von Assisi oder für seinem Orden. Die leidenschaftliche Hingabe des Franz von Assisi ähnelt gemäß Überlieferung dem Brennen eines Seraphen.</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Allgemeine Einführung in das Stundengebet, 239.</p>
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		<title>Vernunft und mehr</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Apr 2020 15:34:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Orden / Franciscania]]></category>
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		<category><![CDATA[Glaube]]></category>
		<category><![CDATA[Vernunft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die katholische Kirche hat am 21. April des Benediktinermönchs und Philosophen Anselm von Canterbury (1033-1109) gedacht. Heute kennt ihn nur mehr ein überschaubarer Kreis von Theologen oder kirchlichen Insidern. Dabei prägte sein Denken über Jahrhunderte hinweg nicht nur die Theologie,</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die katholische Kirche hat am 21. April des Benediktinermönchs und Philosophen Anselm von Canterbury (1033-1109) gedacht. Heute kennt ihn nur mehr ein überschaubarer Kreis von Theologen oder kirchlichen Insidern. Dabei prägte sein Denken über Jahrhunderte hinweg nicht nur die Theologie, sondern auch viele Generationen an weltlichen Philosophen. Wie kaum ein anderer steht Anselm für das Zueinander von Glaube und Vernunft. Mindestens in zweifacher Hinsicht ist der &#8222;Vater der Scholastik&#8220;, wie ihn der Dogmengeschichtler Martin Grabmann genannt hat<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>, von besonderer Aktualität.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2><strong>Was wir heute brauchen könnten</strong></h2>
<p>Die Methode. Zu den in der mittelalterlichen Scholastik üblichen Debatten gehörte eine dialektische Argumentationsstruktur. Vor jeder eigenen Schlussfolgerung führte man ein Gegenargument an, das man zu widerlegen gedachte. Die Folge war eine irgendwann unübersehbare und oft sehr sperrig daher kommende Abfolge von Satzkonstrukten, sodass diese Art der inhaltlichen Auseinandersetzung irgendwann verschwand. Heutzutage ist die Ausgangslage indes umgekehrt: Da zählt mehr das Appellieren an jene, die eh derselben Meinung sind. Wären wir gezwungen, etwaige Gegenargumente in die eigenen Überlegungen zu formulieren, wäre mancher Shitstorm ein differenziertes Auseinandersetzen.</p>
<p>Aber Anselm, der nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Canterbury, in einen Investiturstreit mit dem englischen König Wilhelm II. (&#8222;Rufus&#8220;) geraten war, geht noch einen Schritt weiter: Weil sein ontologischer Gottesbeweis auch unter Fachkollegen Widerspruch ausgelöst hatte, ergänzt er sein &#8222;Proslogion&#8220;. Und nimmt dabei Bezug auf die Einwände seines größten Kritikers, des Gaunilo von Marmoutiers. Spätere Ausgaben des Proslogion bringen die Kontroverse der beiden Mönch-Theologen zusammen. Vielleicht schaffen wir es zeitgenössische TheologInnen ja auch irgendwann einmal, im akademischen Eifer, beispielsweise, um kirchliche Ämter auf die Argumente von &#8222;Ordinatio Sacerdotalis&#8220;<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> einzugehen. Bis dahin bleibt Anselm unerreichter Champion fruchtbringender Auseinandersetzung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2><strong>Die Grenzen der Ratio</strong></h2>
<p>Beziehung ist Denken und Spüren. Die europäische Kulturgeschichte verortet die Wende, in welcher der Mensch sich selbst in sein Denken stellt, in die Renaissance. Tatsächlich aber gewinnt das &#8222;Subjekt&#8220; bereits in den Überlegungen der Scholastiker an Bedeutung. Anselm wollte mit den Mitteln der Vernunft die Existenz Gottes beweisen. Und zwar so, dass dies auch für Nichtglaubende nachvollziehbar erscheint. Sein Glaube sollte etwas sein, das der Vernunft nicht nur nicht im Weg steht, sondern dieser auch entspricht: Seine „<em>fides quaerens intellectum</em>“, sein „<em>Glaube, der nach Einsicht fragt</em>“ führt Anselm schließlich zu der berühmten Aussage im Gottesbeweis: Gott ist das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. Doch mitten in der Argumentationskette findet sich plötzlich ein Bruch: Im 14. Kapitel formuliert Anselm eine Art Gebet, eine direkte Rede, in der sich der Denker fragend an die eigene Seele wendet:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: center;">Hast du, meine Seele, gefunden, was Du suchtest?</p>
<p style="text-align: center;">Du suchtest Gott und hast gefunden:</p>
<p style="text-align: center;">er ist ein Allerhöchstes – nichts Besseres als ihn kann man sich denken;</p>
<p style="text-align: center;">und dies ist das Leben selber, das Licht, die Weisheit, die Güte,</p>
<p style="text-align: center;">die ewige Seligkeit und selige Ewigkeit;</p>
<p style="text-align: center;">und das ist allerorts und allezeit.</p>
<p style="text-align: center;">Denn wenn du deinen Gott nicht gefunden hast:</p>
<p style="text-align: center;">wieso ist er das, was du gefunden hast</p>
<p style="text-align: center;">und als was du ihn mit so sicherer Wahrheit und wahrer Sicherheit erkannt hast?</p>
<p style="text-align: center;">Hast du aber gefunden:</p>
<p style="text-align: center;">wie kommt es, daß du nicht fühlst, was du gefunden hast?<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a></p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p>Was ihm spätere Philosophen als Schwäche auslegen, nämlich, dass Anselm nicht durchgehend logisch oder vernünftig argumentiert, erscheint vielmehr der eigentliche Kern seines „Beweises“: G&#8217;tt kann man zwar denken, aber irgendwann kommt die Nagelprobe: Irgendwann muss er spürbar sein. Sonst ist er nicht.</p>
<p>In diesem Seelen-Dialog offenbart sich eine regelrechte Krise des denkenden Theologen. Der Zweifel ist zwar in jedem Denkprozess Triebfeder der intellektuellen Reflexion, kaum aber wird er irgendwo so existentiell, wie bei Anselm. „Alle Werke Anselms kennen einen kritischen Punkt, einen Moment der Krise und einen Wendepunkt, einen heiklen und starken Übergang auf der reflexiv-transzendentalen und der affektiv-dramatischen Ebene, in welcher sich alle Koordinaten des Gedankenganges zuspitzen und sich verschärfen, sich die Aporien des zurückgelegten Wegs entpuppen und ein Perspektivenwechsel erfordert wird“<a href="#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a>, stellt der Anselm-Experte P. Elmar Salman OSB fest.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2><strong>Aus der Krise in das Bewusst-Sein</strong></h2>
<p>Hierin wird Anselm beeindruckend aktuell: Der Scholastiker macht aus der Gottesfrage eine Frage nach dem Subjekt. Und das Subjekt ist dabei auch ein fühlendes. Bedingt das nach Gott suchende Subjekt aber sowohl eine reflexive als auch eine affektive Ebene, dann entsteht ein subjektives Selbstbewusstsein des Ich. Wobei bei Anselm immer klar bleibt, dass das subjektive Bewusstsein nie von einer objektiven Wahrheit abzusehen vermag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2><strong>Mehr als akademische Vernunft: Sich aussetzen</strong></h2>
<p>Nach dem Religionskritiker Ludwig Feuerbach ist das Nachdenken über Gottesbildern in Misskredit geraten. Zu schlagend erschien sein Urteil, wonach die Frage nach G&#8217;tt in nichts anderes als in eine menschliche Projektion führen könne. In jüngerer Zeit der Postmoderne beschäftigt sich die Theologie wieder vereinzelt damit. Allerdings konzentrieren sich die Debatten hauptsächlich auf das Auffinden und Dekonstruieren angeblich „falscher Gottesbilder&#8220;. Mutig hingegen wäre es, sich selbst, sein eigenes Ich, dem Zweifel auszusetzen. Und dann erst nach G&#8217;tt zu fragen. Eine solche Theologie braucht und leistet mehr als akademische Vernunft allein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Grabmann, Martin: Geschichte der scholastischen Methode, Bd. 1, Berlin 1956, 258-340.</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Johannes Paul II.: Ordinatio Sacerdotalis, Apostolisches Schreiben über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe vom 22. Mai 1994</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Anselm von Canterbury, Proslogion XIV</p>
<p><a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Salmann, Elmar: La svolta come processo e perno del pensiero, in: Simón, Alfredo (Hg): Conoscenza ed affectus in Anselmo d’Aosta, Rom 2014, 207.</p>
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		<title>Lebenszeugnis: DDDr. Kapistran Pieller OFM</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Apr 2020 18:17:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>  Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir: Herr, höre meine Stimme! Wende dein Ohr mir zu, achte auf mein lautes Flehen! &#160; Die Verzweiflung, die man in Zeiten der Not und in der Ausweglosigkeit erfährt, spiegelt sich schon in</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>  Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir:</p>
<p>Herr, höre meine Stimme! Wende dein Ohr mir zu,</p>
<p>achte auf mein lautes Flehen!</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-253 alignleft" style="margin-right: 10px;" src="https://i0.wp.com/turmderwinde.eu/wp-content/uploads/2020/04/scaled-204x250-Pieller.png?resize=117%2C144&#038;ssl=1" alt="" width="117" height="144" /></p>
<p>Die Verzweiflung, die man in Zeiten der Not und in der Ausweglosigkeit erfährt, spiegelt sich schon in den ersten beiden Versen des Psalms 130 wider. Dieser Psalm begleitet die jüdischen und die christlichen Glaubensgemeinschaften seit Generationen. Im Gebet verbleibt man aber nicht in der bestehenden Situation der Not, sondern diese wird aufgelöst, in der Hoffnung auf den Herrn. Bereits im Gebet setzt man den ersten aktiven Akt, der aus der Not befreien soll: Aus der Klage wird Aktion.</p>
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<h3></h3>
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<h3>Der Weg des Widerstands</h3>
<p>Dieses Tätigwerden in der Bedrängnis zeichnet auch das Leben von Pater DDDr. Kapistran Pieller OFM aus. Der 1891 als Wilhelm Pieller geborene Märtyrer trat 1909 in die Wiener Franziskanerprovinz ein und bekam den Ordensnamen Johannes Kapistran. Obwohl er die Universitätsreife nachholen musste, nahm sein Lerneifer nach dem Grundstudium der Theologie und seiner Priesterweihe 1918 nicht ab, so dass er schließlich drei Doktorgrade in Staatswissenschaften, Rechtswissenschaften und Theologie erlangte. Diese hohe Bildung wirkte sich scheinbar auch auf seine Predigten aus, so seien diese „hochwissenschaftlich“ und schwer verständlich gewesen, so berichtet es die Klosterchronik des Grazer Konventes, in dem er die meiste Zeit seines Ordensleben verbrachte. Trotz der offenkundigen Liebe zur akademischen Wissenschaft war sein Lebensmittelpunkt das Evangelium, der Glaube an Jesus Christus und Nachfolge nach der Art des Hl. Franziskus von Assisi. So diente er nicht nur als Ordensmann und Priester, sondern auch als Seelsorger einer Studentenverbindung in Graz, der K.Ö.H.V. Carolina. Kapistran Pieller durchlebte den ersten großen Krieg und die Not und Verzweiflung der Zwischenkriegszeit gläubig und im Dienst des Ordens. Mit dem Anschluss Österreichs an Deutschland gingen nicht nur politische und gesellschaftliche Änderungen einher, auch der Orden der Franziskaner war gezwungen Umzustrukturieren: Das Kloster Eisenstadt, welches bis dahin von der ungarischen Franziskanerprovinz verwaltet wurde, wurde der Wiener Provinz überschrieben, da es nicht mehr mit Ungarn besetzt sein durfte. P. DDDr. Kapistran Pieller kam aus diesem Grund 1940 ins Franziskanerkloster Eisenstadt. In diese Zeit fällt auch seine Unterstützung für die „Antifaschistische Freiheitsbewegung Österreichs“ (AFÖ).  Die drei Schlüsselfiguren der Bewegung waren der Priester Dr. Anton Granig und der Landtagsabgeordnete Karl Krumpl, beide aus Kärnten, sowie der Franziskanerkleriker Frater Benno. Letzterer war als Soldat in Klagenfurt tätig und verteilte regimefeindliche Flugzettel. Bei deren Erstellung unterstützten ihn die beiden Patres Angelus Steinwender und Kapistran Pieller. Am 23. August 1943 wird Kapistran Pieller, nach vorangegangener Inhaftierung seines Provinziales Pater Angelus Steinwender, von drei Männern der GeStaPo „ohne Bekanntgebung der Ursache“ festgenommen.</p>
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<h3>Prozess und Verurteilung</h3>
<p>Der Prozess gegen sämtliche verhafteten Aktivisten der <em>Antifaschistischen Freiheitsbewegung Österreichs</em> fand im August 1944 statt und endete mit der Verurteilung von acht der 13 Mitglieder der AFÖ zum Tode, unter ihnen Pater Angelus und Pater Kapistran. Trotz der Einreichung mehrerer Gnadengesuche bei den NS-Stellen wurden die beiden Gefangenen am 4. April 1945 im Zuge eines Gefangenentransportes in die Haftanstalt Stein an der Donau überführt. Der viertägige Fußmarsch glich nach den Umständen der Haft bereits einem Todesmarsch, so berichtet ein Augenzeuge: &#8222;Da sieh! &#8230; Wie sie paarweise aneinandergekettet aus dem Tore schreiten. &#8230; Der Zug der Todeskandidaten. In grauen Kluften, mit grauen, verfallenen Gesichtern. &#8230; Wesen, die noch nicht tot sind und nicht mehr leben.&#8220;</p>
<p>Drei Tage vor deren Ankunft war es im Steiner Gefängnis zu einem Massaker gekommen: Als der Leiter der Anstalt, Hofrat Kodré, am 6. April die Freilassung der etwa 1800 Insassen anordnete und bereits etliche von diesen in Freiheit waren, rückten plötzlich Kräfte der SS, SA und Wehrmacht aus und richteten &#8222;ein unvorstellbares Blutbad&#8220; an. NS-Leute übernahmen die Leitung des Gefangenenhauses. Am 15. April wurde der Befehl zur Hinrichtung der 46 Wiener Häftlinge erteilt. Jeweils zu zweit wurden sie von den GeStaPo-Henkern im Hof der Anstalt erschossen.</p>
<p>P. Angelus Steinwender und P. Kapistran Pieller waren sofort tot. Die beiden Patres fanden ihre letzte Ruhestätte in einem Massengrab in Stein.</p>
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<h3>Kraft aus dem Glauben</h3>
<p>Kapistran Pieller und alle Beteiligten der AFÖ sind also in großer Not tätig geworden. Sie haben geklagt, sie haben aus der Tiefe gerufen und die Kraft gefunden, der Not zu begegnen. Kapistran Pieller fand aus seinem Glauben und aus seiner Berufung heraus die Kraft, gegen das Unrecht und die faschistische Ideologie einzutreten. Seine Überzeugung aus dem Evangelium heraus Leben zu wollen, war unvereinbar mit den nationalsozialistischen Machenschaften, hier entsprang sein Widerstand. In der Not war ihm Gott nicht fern, seine Klage kam an und er wurde tätig um gegen den beklagenswerten Zustand anzukämpfen. Bis zu seinem Tod für den Glauben und für ein freies Österreich.</p>
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<figure><img data-recalc-dims="1" decoding="async" style="width: 100%;" src="https://i0.wp.com/turmderwinde.eu/wp-content/uploads/2020/04/IMG_20200415_141351.jpg?w=640&#038;ssl=1" /><figcaption>Zum 75. Todestag der Märtyrer gedachten am 15. April 2020, Mitbrüder und Gläubige der Blutzeugen im Franziskanerkloster Graz.<br />
Links: P. DDDr. Kapistran Pieller, rechts: P. Dr. Angelus Steinwender.</figcaption></figure>
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<p>Der vorliegende Text ist auf Basis einer Arbeit von Br. Johannes Pio Maria Pfister OFM, Theologiestudent des Grazer Franziskanerklosters entstanden.</p>
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		<title>Ein Friedhof, unser Friedhof</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Nov 2019 15:55:33 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Erinnerung an Andere Der chilenische Nobelpreisträger Pablo Neruda überschrieb seine Autobiographie mit dem Titel „Ich bekenne, ich habe gelebt“. Was ein Gedanke ist, der jedem Menschen zu wünschen ist: dass er am Ende zu einem solchen Bekenntnis bewussten Lebens findet.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2 style="text-align: left;" align="right"><span style="font-size: 12.0pt; color: black;">Erinnerung an Andere</span></h2>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: 12.0pt; color: black;">Der chilenische Nobelpreisträger Pablo Neruda überschrieb seine Autobiographie mit dem Titel „Ich bekenne, ich habe gelebt“.<br />
Was ein Gedanke ist, der jedem Menschen zu wünschen ist: dass er am Ende zu einem solchen Bekenntnis bewussten Lebens findet.<br />
Der Kreuzgang der Franziskaner in Graz ist ein Ort solcher Bekenntnisse. Einerlei, ob Mann oder Frau, reich oder arm, durchschnittlich oder berühmt: Zahlreiche Tafeln erzählen von Menschenleben, deren letzter Rest heute oft nur mehr diese Tafel ist. Er oder sie hat gelebt. Seit fast 800 Jahren leben Franziskaner hier, fast ebenso lange finden im Kreuzhof, in unterschiedlichen Gruftanlagen oder um die Kirche herum Menschen ihre letzte Ruhestätte. Im Tod sind alle gleich: Und so hängt die Tafel der „Hochgeborenen Frau, Frau Charlota Antonia Gräfin von Schrottenbach“ gleich neben jener der „ehrsamen Tafeldeckerin Elisabeht Anger“. Die Epitaphe erzählen vom Leben: Hofmitarbeiter, Physiker, Apothekersgattin, Maler. Auch ein Egidius, „des Herren Christian Khann ehelich erzeugtes Sohnlein“ liegt hier begraben. Trotz augenscheinlich kurzer Lebensspanne war es der Familie offenbar wichtig, den Buben über den Tod hinaus in die Familie einzuordnen.<br />
Nach allgemeiner Auffassung befindet sich ein unbestatteter Toter bzw. ein unbestatteter Leichnam in einem unbefriedigenden Zwischenstadium. Irgendetwas muss mit ihm geschehen, um der Pietät und der Tradition Genüge zu tun. Die Bestattung ist eine religiöse Pflicht, die auch gegenüber Fremden oder Gegnern gilt. Das beschreiben auch unsere Heiligen Schriften. Umgekehrt ist es eine besondere Form der Bestrafung, die angemessene Bestattung zu verweigern. Im Jahr 1471 wurde der Schädel (ohne Torso) des als Hochverräter enthauptetem Ritters Andreas Greissenecker unter der Schwelle der Jakobi-Kapelle verscharrt. Eine verheerende Symbolkraft: Die Menschen sollten symbolisch und unwissentlich auf sein Haupt treten, auch wenn Greissenecker und sein Ende längst vergessen waren. Bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1987 fanden Arbeiter den Schädel. Worauf dieser pietätvoll in einer Mauernische am Portal beigesetzt wurde.<br />
Das Wissen darum, dass der eigene Tod unausweichlich ist, hat die Vorstellungskraft der Menschen zu allen Zeiten angespornt: Sehr kunstvoll sind einige Epitaphe ausgearbeitet. Hinterbliebene oder manchmal auch der Bestattete selbst haben sich das Andenken etwas kosten lassen. Was werden sich die Menschen gedacht haben, als es dann wirklich so weit war? Was haben sie wohl empfunden? Beim Durchlaufen werden die steinernen Bekenntnisse auf diese Weise zur Einladung an die Lebenden nachzudenken. Nicht zu oft, aber immer wieder zwischendurch. Über Leben und Tod nachzudenken, ist nämlich etwas anderes als den eigenen zu erleben: Memento mori – Bedenke, dass (auch) Du stirbst. </span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: 12.0pt; color: black;"> </span></p>
<h2 style="text-align: left;" align="right"><span style="font-size: 12.0pt; color: black;">Herausforderung an uns</span></h2>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: 12.0pt; color: black;">Ein Friedhof oder eine Grabanlage wie bei den Franziskanern in Graz ist nicht nur ein Ort für Tote. Das ist nicht nur ein Ort der Erinnerung. Sondern auch eine Herausforderung an die Lebenden. Sie bilden sozusagen die zweite Dimension des Friedhofes. Durch den Besucher wird dieser Ort zu einem Raum. Selbst dann, wenn wir die Bestatteten nicht mehr persönlich kennen. Das ruhige Durchschreiten ruft ein Nachdenken hervor. Ein Nachdenken über uns selbst, über diese Welt, über das Leben.<br />
„Was Ihr seid, waren wir einst – Was wir sind, das werdet Ihr sein“. Steht über dem Ossarium in der Gruft unter der Kirche. Die geschichteten Schädel wurden bei der Öffnung der Gruft nach der Jahrtausendwende gefunden. Im Jahr 1782 musste auch diese Gruftanlage auf Anordnung von Joseph II. geschlossen werden. Erst mit den Renovierungsarbeiten wurde sie abgesichert und wieder zugänglich gemacht. Die in Graz lebenden Franziskaner werden bis heute auf dem Stadtfriedhof St. Peter begraben.<br />
Immerhin finden sich am Eingang der Gruftanlage Tafeln, auf denen die Namen der Franziskanerbrüder verzeichnet sind. Regelmäßige Besucher oder gute Freunde des Klosters erinnern sich an den einen oder anderen Franziskaner wie Br. Bernhard Sagl oder Br. Didacus Sudy. Im Vorübergehen kommt ein Gedanke auf, eine Erinnerung. Es ist ein Stück eigener Geschichte. An einer besonderen Stelle vermerkt sind die Namen von P. Kapistran Pieller und Angelus Steinwender: Die beiden Brüder wurden während des Zweiten Weltkrieges wegen ihrer antifaschistischen Haltung gefangen genommen und wenige Tage vor Kriegsende, am 15. April 1945, in Stein an der Donau erschossen.<br />
Einmal jährlich, am Allerseelentag, pilgert die Kloster- und Kirchengemeinschaft an den Grufteingang. Erinnerung an Andere ist Hoffnung für uns selbst.</span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: 12.0pt; color: black;"> </span></p>
<h2 style="text-align: left;" align="right"><span style="font-size: 12.0pt; color: black;">Ein Ort des Lebens</span></h2>
<p style="text-align: left;"><span style="font-size: 12.0pt; color: black;">Eine Grabanlage bietet aber nicht nur einen Dialog zwischen den Besuchern und den Verstorbenen, zwischen unserem Leben und der Geschichte. Auf Friedhöfen lebt und gedeiht die ganze Schöpfung: Pflanzen sprießen, Bäume spenden Schatten, Vögel singen. Im Untergrund wühlen sich Käfer und Getier durch die gesegnete Erde. Auch das Franziskanerkloster ist so ein Biotop, ein Ort des Lebens. Eingefriedet zwischen den Klostermauern ist der Kreuzgang ein Geheimtipp für Menschen, die dem regen Treiben der zweitgrößten Stadt Österreichs kurz entfliehen wollen.<br />
Sprachlich leitet sich der Ausdruck „Friedhof“ von der Bezeichnung „eingefriedetes Grundstück“ ab, ein Vor- oder Innenhof also. Erst später wird daraus der Friede abgeleitet. Einen umfassenden Frieden zu suchen, ihn zu finden und dann stückweise zu kosten, das ist Glückseligkeit für einen Menschen. Nicht so sehr für die Menschheit im Allgemeinen, sondern für jeden Einzelnen von uns. In seinem je eigenen Bedürfnis. Dabei hilft uns eine Anlage wie im Franziskanerkloster mit ihren Epitaphen, der Gruft, dem ruhigen Raum, den Pflanzen und Tieren: „Heutzutage“ – so schreibt der Theologe Georg Schwikart – „beklagen wir den übersteigerten Drang nach Individualität, der Friedhofssatzung sei Dank, dass wir am Ende hübsch in Reih und Glied liegen“. Dass es auch anders geht, dass die Menschen im Tod zwar gleich, aber nicht anonyme Masse sind, wird hier zu bestaunenswerter Wirklichkeit. „Ich bekenne, ich habe gelebt“, erzählen hier die Toten. „Danke, Gott, dass Du mir mein Leben geschenkt hast“, möchten wir antworten. </span></p>
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